Schlosskirche Spiez

F. J. R. Bossart-Orgel von 1831 in der Schlosskirche Spiez

spiez-pic   spiez bild 1

Links: Das original erhaltene Gehäuse samt Prospekt. Rechts: Die neuen Pedalregister von 1950.

Aus dem Gutachten:

Allgemeines

Die von F. J. Remigius Bossart 1831 erbaute Orgel steht auf einer Empore, die im Kirchenraum als Fremdkörper zu bezeichnen ist. Es ist anzunehmen, dass durch die Versetzung der Orgel auf diese Empore nicht nur der optische Eindruck, sondern auch der Klangliche verändert wurde.

Klanglich macht die Orgel einen matten Eindruck. Möglicherweise wurde anlässlich der Revision bzw. Instandsetzung der Orgel (von einer Restauration kann nicht gesprochen werden) auch die Intonation nach damaligem Gusto verändert. Dies müsste allerdings noch genauer verifiziert werden. Ein Fremdkörper ist der Einbau einer Rohrflöte 8’ im Pedal. Ein solches Register wurde von R. Bossart nie disponiert. Sehr schmerzlich ist der Verlust der Pedaltrompete und der alten Windanlage. Die 1950 erstellte neue Windanlage dürfte das Klangbild ebenfalls negativ beeinflussen.

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Disposition (1985):

Manual (C–f’’’ 54 Tasten) Pedal (C–f’ 30 Tasten)
Principal 8’ (C–H Holz, neu, Rest Zinn im Prospekt, alt) Subbass l6’ (Holz gedeckt, neu)
Suavial 8’ (ab c’, Zinn im Prospekt, alt) Rohrflöte 8’ (C–H Holz, Rest Metall, neu)
Spizflöte 8’ (C–H Holz, neu, Rest Metall, alt)
Gedackt 8’ (C–H Holz, neu, Rest Metall, alt)

Octave 4’ (alt)

Flûte 4’ (gedeckt, alt)

Quinte 3’ (alt)

Doublette 2’ (alt)

Restaurierung und Rekonstruktion der Bossart-Orgel von 1831 in der Schlosskirche Spiez

Aufgrund umfangreicher Archivforschungen und Untersuchungen an der Orgel und an weiteren Referenz-Instrumenten wird die Orgel auf den Originalzustand von 1831 restauriert bzw. rekonstruiert.

Das Gehäuse wird wieder ergänzt und die „Küchengitter“ entfernt. Die im Jahre 1950 neu gebauten Pfeifen (Bild 1) werden im Bossart-Stil rekonstruiert. Dies sind alle Holzpfeifen: jeweils C-H von Principal 8′, Spizflöte (!) 8′, Burdon 8′, Subbass 16′ von C – a.

Das Pedal wird wieder fest mit dem Manual verbunden und auf C – a reduziert. Die Pedalklaviatur wird nach Zeichnungen und fotografischen Dokumenten rekonstriert. Ebenso die verloren gegangene Trompeten 8′ im Pedal. Die Rohrflöte 8′ (Bild 2) im Pedal wird entfernt.

Die Pedalwindlade wird rekonstruiert, da sie damals weggeworfen wurde.

Das Gehäuse wird restauriert, die 1950 aufgetragene Farbe entfernt und neu gefasst nach Vorbildern von Referenzinstrumenten.

Ausführung im Jahr 2017.